Archiv für den Monat: Juli 2011

Still alive!

Schon berührend: es gibt anscheinend treue Leser und Schreiber, die sich wohl ernsthaft Sorgen um uns machen, wenn wir uns ein paar Tage  nicht melden. Da müssen wir natürlich Abhilfe schaffen! Ja, es gibt uns, aber wir sind einfach beide leider ziemlich eingespannt. Abends sind wir beide dann so müde, dass wir weder zum Schreiben noch zum Telefonieren geschweige denn zum Ausgehen Lust haben. Schade eigentlich. Wir bessern uns wieder, ehrlich.

Ich werde Euch ein paar Fotos aus Frankreich posten, die ich schon längst vorbereitet habe. Und ich hoffe ich komme dazu, sie in den nächsten Tagen etwas besser zu kommentieren.

Das folgende Bild, in La Beaume aufgenommen, ist ganz typisch für die Ardeche/Cevennenregion: überall baden die Menschen im Fluss oder paddeln ihn runter oder spielen abends auf dem Platz (das erste Bild oben ist gegenüber diesem Flussufer aufgenommen) Boule bzw. Petanque, daneben das „Café Central“ für alle Zuschauer. Ja das können sie, die Franzosen: savoir vivre.

Auf dem Weg nach Thines dann plötzlich ein „Konterfei“ aus anderen Kulturkreisen: Die Aussteiger, Hippies oder sonstwie Alternativen gibt es hier überall.

Man begegnet ihnen vor allem an den Markttagen – wenn sie sozusagen aus dem Hinterland kommen und ihren Ziegenkäse, den Honig oder ihre Würste verkaufen. Hier ein Foto des schönsten Marktes in dieser Region, wie ich finde – in St. Jean Du Gard. Dies ist die Markthalle – neben dem Straßenmarkt. Bei diesem Foto habe ich vor allem an Usch gedacht, weil ihr die Graffitis sicher gefallen:

Thines ist übrigens ein typisches Bergdorf in den Cevennen. Nach einer dreiviertel Stunde Fahrt (Michel hat dem Fahrrad kaum länger gebraucht), immer leicht bergauf und mehr oder weniger auf einer Oneway-Straße, landet man in einem kleinem Dorf, wo man sich sofort als Störenfried empfindet. In Thines gibt es eine alte 86-jährige Frau, die alle Second Hand Sachen von den Dorfbewohnern bekommt, die sie dann wiederum auf dem Vorplatz ihres Haus Open-Air zum Verkauf feilbietet. Sie arbeite nur für die Katzen im Dorf, damit sie versorgt werden, sagt sie. Ich wollte ihr dann einfach so etwas für die Katzen geben. Sie bestand aber darauf, daß ich etwas zur Erinnerung aussuche… nach langem Gucken habe ich mich für einen kleinen Porzellan-Salzstreuer entschieden. Den hab ich nun meiner Mama geschenkt – und sie hat sich gefreut! (Praktisch, nachdem mein Papa just ein paar Wochen zuvor den Glassalzstreuer zerbrochen hat. Und an einer Scherbe, die dabei ins Gulasch gefallen ist, hat sich Michel beinahe verschluckt. Das wärs dann gewesen mit Urlaub in Frankreich!)

In den Cevennen kann man wunderbar wandern – entlang von Flusstälern, auf Hochebenen oder eben querfeldein:

Und zum Schluss ist man wieder in einem Flusstal wo dann eine kleine Familie vorbeipaddelt. Alle winken fröhlich.

Michel fand aber auch das Radfahren supertoll, weil die Landschaft so schön ist – vor allem wenn man die Berge liebt und am „Col“ dann den Blick über die Cevennen hat. Aber auch weil die Strecken viel einsamer sind als zum Beispiel in der Provence – und dafür die Menschen, die man trifft, dann aber umso mitteilsamer.

Richtig spektakulär ist der Blick am „Cirque de Navacelles„. Dies ist eine Karstlandschaft, in die sich über Jahrtausende ein kleiner Fluss namens „Vis“ gegraben hat. Durch ihn sind Schluchten von über 400 m Tiefe entstanden. Auf den ersten Blick sieht es eher so aus, als hätte ein Meteorit einen riesiges Loch geschlagen und nicht so ein lächerlich kleiner Fluss.

Ebenso einmalig und beeindruckend sind die Hochebenen der Cevennen, die „Causses“. Schon die Anfahrt hinauf auf die „Causse Mejean“ ist durchaus anspruchsvoll. Campingwagen, Autos mit Anhänger und natürlich auch LKW dürfen diese Straße nicht benutzen. Völlig vereinsamt ist es dann oben, gerade mal 500 Einwohner leben auf 340 qm. Anscheinend sieht es in den asiatischen Steppenlandschaften ähnlich aus.

Auf dem (zweit-) höchsten Punkt waren wir auch: auf dem Mont Aigoual mit 1567 m. Wir wissen nun auch, warum er Windberg genannt wird. Ähnlich wie auf dem Mont Ventoux hat es uns fast weggeblasen und es war unfassbar kalt. Schade, da hätten wir unsere Funktionskleidung echt mal brauchen können – die im Appartment lag.

Ein völliger Gegensatz dazu ist der Bambuspark bei Anduze, „La Bambouseraie„. Unglaublich, aber da hat ein Monsieur Mazel Mitte des 19. Jahrhunderts seine Vision von einem asiatischen Bambusgarten geträumt und in Frankreich realisiert. Irgendwann wurde er von einer reichen Familie übernommen, um ihn für die Nachwelt zu retten. Sehr beeindruckend!

 

Apropos: Der SPIEGEL hat ja auch einen Artikel über diese „wilde Ecke Europas“ geschrieben.

Liberté, egalité, fraternité!

La France hat heute seinen Nationalfeiertag. Und wir mal wieder mittendrin – dieses Jahr in Anduze – vom besten Platz der Stadt aus. Ich finde aber, dass unsere gute alte Sonne dennoch das bessere Feuerwerk abgeliefert hat!

Den offiziellen Teil der Festlichkeiten (Ansprache des Bürgermeister – Flagge hissen – Nationalhmyne – Schweigeminute) haben wir in Vallerauge erlebt – das  seit heute übrigens unser gemeinsamer Lieblingsort in den Cevennen ist:

Ich habe das Gefühl, hier schlägt die Uhr langsamer. Vielleicht liegt dies an diesem kleinen Flüsschen hier – keine Ahnung…

Hier findet man auch die typischen Terrassenfelder, d.h. die Menschentrotzen den Bergen auf diese Weise Land ab, um es zu bewirtschaften:

 

Tireuse de Ficelle

Sommerferien in Frankreich sind „Jahrmarkt“!!! Zumindest uns drängt sich dies auf – egal, in welches Städtchen wir kommen, irgendwo dreht sich ein Karusell, steht ein Hau-den-Lukas rum und das Beste: es gibt eine französische Fadenzieher-Moni!!!

Hier die Fadenziehermoni in Uzès.  Statt Fäden zu ziehen, wählt man eine Plastikentchen aus. Nett ist, dass diese in einem Affenzahn im Kreis rumdüsen. Hat glaub ich keine besondere Bewandtnis, aber Charme. Selbstverständlich gibt es für kleine Jungs einen Autoscooter – diesen in Ganges fanden wir besonders gut, weil er direkt neben dem Auto-Karussell stand. So verpasst das Jungenherz eigentlich nichts, oder? Der Scooter in Ganges war allerdings erst im Aufbau und wir mussten weiter….

Hier der Scooter in Uzes – er scheint viel Spaß zu machen.

Und davor harrt die liebe Mischpoke. Die scheinen schon kapituliert zu haben und warten nicht füssetretend vor den Attraktionen, sondern machen es sich gemütlich. Fehlt eigentlich nur noch der „Vin Rouge“. Also liebe Harxheimer: Frankreich, zumindest das Languedoc ist Euer Ferienziel für die nächsten 5-10 Jahre … während Usch schon davon träumt, bald aus dem Gröbsten raus zu sein 😉

Wer nicht auf einer Bank in der brütenden Hitze Stunde um Stunde absitzen will, kann sich natürlich auch selbst vergnügen, wie Ihr hier seht – und es gibt neben Plüschtieren auch Stringtangas zu gewinnen. Echt wahr!!!

Weitere Alternative ist vielleicht diese Fadenziehergeschichte für Erwachsene, wobei mir selbst noch nicht klar ist, was sich dahinter eigentlich verbirgt. Aber wie gesagt, wir mussten weiter…

 

 

die drei Musketiere

Das Haus ist ganz toll und auch die Mitbewohner sind ganz berühmte Franzosen.

Zunächst wäre da mal Porthos, der dicke Brummer mit dem weichen Herz. Sein Zirpen treibt jeden Gegner in den Wahnsinn.

Ich denke, er war Schuld, daß sich Vincent van Gogh sein Ohr abgeschnitten hat. Bestimmt hätte er auch noch sein zweites Ohr abgeschnitten, aber es tut halt so weh.

Der zweite im Bunde ist Aramis, der kleine Schwarze. Er führt seine Stichwaffe stets bei sich und weiß sie auch zu nutzen.

Der Dritte im Bunde ist natürlich Athos, der geheimnisvolle, ruhige und überlegte Mann. So bewacht kann uns hier gar nichts passieren.

Flirrender Sommer in den Cevennen

Wir waren ja schon leicht nervös, wo wir nach den Engländern landen würde. Und Michel zeigte mir schon die ganze Woche über im SUPER U das Wochenangebot für ein 2-Personen-Zelt. Ja, ein bißchen ist das ja schon Irrsinn: keine Bleibe zu haben, wenn die 2 reiseintensivsten Ferienwochen in Frankreich beginnen. Am Tag vor der Abreise hat mir dann mein Zitatnewsletter dieses Zitat vom ollen Hesse gesandt: „Das Paradies pflegt sich erst dann als Paradies zu erkennen zu geben, wenn wir daraus vertrieben wurden.“ Na toll, da hätte ich wohl den Mund nicht so voll nehmen sollen…

Doch dann kam alles anders. Wir hatten so unwarscheinlich großes Mega-Glück -von dem ich lieber mal bei einem Glas Wein erzähle – daß wir nun in Anduze ein Haus haben, mit allen Schikanen.

Dieses Haus ist eigentlich für 8 Personen und wir bewegen uns darin wie König Rotz. Das hier wäre doch was, um mal wieder einen Urlaub mit großer Freundesrunde zu planen, n´est-ce pas?

Aber wir finden natürlich, daß wir das auch verdient haben!

Fundstück am Straßenrand

Wenn man nicht mit 35 Sachen durch die Lande kachelt sondern mit hängender Zunge auch mal die Hügel hochklettert, kann man am Wegesrand enorme Monster entdecken.

Dieser Kerl hier war bestimmt 8 cm Lang und 2 cm dick. Total gelb, mit weißen Punkten aus denen schwarze Haare wuchsen, die wiederum kleineschwarze Knötchen am Ende hatten. Vorausgesetz die Raupe versucht nicht noch einmal die Straße zu überqueren könnte sich ja ein Falter sich aus dem fetten Ding entwicklen.

Ich muß noch rausfinden welcher .

Little Britain

… so hat Michel unsere Bleibe am Rand der Cevennen in unserem TomTom abgespeichert. Aber da ist schon was dran: unsere Vermieter sind Engländer – die beiden haben ein Leben lang in Kenia gewohnt und er schüttelte dort sogar dem Präsidenten die Hand! All diese Stories kann man in unserem derzeitigen Badezimmer bewundern – bis hin zur Urkunde des berühmten „Jack-Daniels-Hole-In-One-Award“ aus dem Jahre 1991. Jaja, wir sind etwas sarkastisch, aber ein bißchen brauchen wir das, wenn alles so L O V E L Y ist!!!

Wir sind übrigens schon in allen drei Appartments herumgekommen in dieser 1 Woche. Aber das ist eine andere Geschichte…

Morgen müssen wir weiter ziehen weil wir nur eine Woche hier buchen konnten. Mal sehen wo wir fündig werden – vielleicht da wo deine Schwester ist, Klaus? Übrigens ist es hier suuuuuper-heiss mit Minimum 30 Grad im Schatten!