Archiv für den Monat: November 2011

Locker bleiben

„Oben bleiben“  ist ja in Stuttgart leider abgesagt bzw. abgewählt, und zwar deutlich. Da war der 28. November 2011 schon ein etwas seltsamer Tag, finde ich – irgendwo zwischen Ernüchterung (der Tag „danach“ in Stuttgart), Geschäftigkeit (wegen den Vorbereitungen für den Abend) und insgesamt einer sorgenvollen Unruhe angesichts der Nachrichten drumrum. So hatte ich auch nicht den Kopf, mir blues-ige Gedanken um meinen Geburtstag zu machen. Und am Abend war dann die Bude voll, ich selbst überschüttet mit guten Wünschen und einem Blumenmeer – was will man mehr!

 

 

Annawech ins Ofenwerk

Der Termin war schon seit Monaten ausgemacht: zu Deutschlands größter privaten Weinmesse, mit über 100 Winzer. Und zwar nach Nürnberg, ins Ofenwerk. Sascha hatte die Idee, daß wir uns zur jährlichen Weinmesse von K&U, dem renommierten Weinhändler Martin Kössler treffen. Für 10 Euro Eintritt bekommt man ein Glas und kann sich dann durch die Weine durchprobieren.

Der Veranstaltungsort, das Ofenwerk, gibt ein tolles Ambiente ab: ein altes Fabrikgebäude, das mittlerweile Heimat für viele Oldtimer und deren Fuzzel-Tuner ist. Und dazwischen nun die leckeren Weine.  Auf der einen Seite Deutschland und Österreich mit sehr vielen Weissweinen – und auf der anderen Seite die Klassiker Frankreich, Italien und Spanien sowie eine Sonderecke für die USA.

Aber was soll ich sagen? Schon am Freitag abend bei der nächtlichen Anreise gings los mit triefendem Schnupfen und am Samstag war die Nase dicht, sämtliche Geschmacksknospen im Tiefschlaf. Und so war die komplette Verkostung für mich eine Nullnummer, die 10 Euro Eintritt für die Katz. Dennoch war die Atmosphäre so nett, daß ich Lust habe, nächstes Jahr wieder zu kommen – ohne Infekt.

Da es Messerabatte bei der Abnahme eines Kartons gab, haben wir uns mit Sascha zusammen getan, um wenigstens ein paar Fläschchen zu haben, die war dann ex post zuhause endlich geniessen können. Gekauft haben wir:

Von den Rheinhessen war übrigens nur das Weingut Wittmann vertreten. Da waren wir enttäuscht! Also doch wieder nach Harxheim.

Hier ein Nachbericht der Messe.

Ach: abends gab es bei den D´s Muscheln im Weißweinsud, Bayrisch Kraut à la Schuhbeck mit Entenbrüstchen oder wahlweise Nürnberger Würstchen und abschließend selbstgemachtes Pistazieneis mit Feigen.

 

 

Bücher-Mekka

Höchste Zeit von unserem Stuttgarter Leuchtturmprojekt, nämlich unserer neuen Bibliothek zu berichten, schließlich war ich schon 2mal drin!! Leuchtturm stimmt ja insofern, als das Gebäude einsam und allein inmitten – tja, was? – einer Mega-Baustelle steht – und leuchtet. Jaja, die Bibliothek: das Wahrzeichen des neuen S21 Stadtviertels. Tatsächlich war geplant, daß das Gebäude in einem Wasserbassin steht, aber das hat dann am Ende das Budget (leider) nicht mehr zugelassen. Dafür leuchtet die Biblitohek jetzt nachts blau – nur für wen?

Das neue Haus wird ja schon seit Monaten verspottet als „Bücherknast“ oder „Stammheim II“. Mir geht es da eher wie Amber Sayar von der Stuttgarter Zeitung: es sieht aus wie die Kaaba in Mekka. Ich stellte mir schon während der Bauzeit vor, daß mit der Eröffnung des Hauses jeden Morgen um fünf (oder früher?) der Muezzin zum Gebet ruft. Hat was, finde ich.

Also waren wir sehr gespannt wie das Haus sich seinen Besuchern innen präsentiert. Wir sind sogar am Eröffnungssonntag hin und haben uns brav in die Schlange gestellt! Anfangs war ich irritiert und enttäuscht: erst diese Kathedrale (oder Mausoleum?), die zwar ein Ohh-Erlebnis beschert, aber im Grunde nur Effekthascherei ist, finde ich. Im Untergeschoß fühlte ich mich wie in einer Klinik für ästhetische Chirurgie. Es ist eh alles in diesem weißen iPod-Design gehalten (Wie das wohl in 5 Jahren aussehen mag!). Toll sind die Aussichten auf Stuttgart in den eigentlichen Büchergalerien, die vielen, auch medialen Angebote und überhaupt: dass es Bücher über Bücher gibt.

Am Ende haben wir uns neue Leseausweise ausstellen lassen. Was will man mehr?! Und die kids haben „ihre“ Etagen sofort angenommen. Die sind auch wirklich etwas kuscheliger und alden zum Lesen und Vorlesen ein.

Ich will meine Eindrücke im Einzelnen hier auch gar nicht runter schreiben.  Joe Bauer hat in den Stuttgarter Nachrichten einen Bericht geschrieben, dem ich in vielen Punkte zustimme. Und ich freue mich auf viele Diskussionen mit Euch darüber!

 

SEX in the City

Wer wissen will, wie es die Tiere so treiben, hat bei der neuen Ausstellung im Stuttgarter Rosensteinmuseum „Sex im Tierreich“ wirklich großen Spaß. Arnold, der Kurator dieser Ausstellung ist, hat es mit seinem Team geschafft, die Ausstellung sehr unterhaltsam und witzig zu gestalten – für Erwachsene und Kinder gleichermaßen.

Also liebe Eltern, das ist auch für Euch eine wunderbare Gelegenheit, mal das Thema „Sex“ mit Euren kids anzugehen! Ich bin ja letzte Woche unbeabsichtigt mit Paula und Theo in diese Ausstellung „gestolpert“. Denn eigentlich hatte ich nicht vor, die Kinder meiner Schwester mal so „en passant“ aufzuklären, zumal Theo grade mal 4 Jahre alt ist und ich unvorbereitet nicht wüsste, wie ich ihm diese Sex & Crime-Stories erzähle. Aber das Naturkundemuseum musste eben sein. Okay.

Mir war allerdings nicht bewusst, daß ich dazu zwangsläufig durch die Sex-Austellung muß, um in die Dauerausstellung zu kommen! Na, prima. Doch es war alles halb so wild. Wie sich die Männchen um die Weibchen schlagen, habe ich ihnen lang und breit gezeigt und erzählt. So gibt sich der Paradiesvogel so richtig Mühe: bevor nämlich seine große Show beginnt, macht er erstmal akribisch Großreinemachen.  Den Anglerfisch, der nach der Befruchtung für den Rest seines Lebens im Weibchen stecken bleibt und sich zurückbildet, bis nur noch Hoden übrig bleiben, hab ich wiederum ausgelassen. Unter anderem… Und dann schwand auch – Gott sei Dank – so langsam das Interesse für das nächste Ausstellungssegment, die Kopulation, weil im Hintergrund der große Elefant rumstand und der Wal von der Decke hing. (Bericht der Stuttgarter Zeitung)

Übrigens hat Arnold sozusagen nebenbei, also während der Vorbereitung auf die Ausstellung, eine neue Insekten-Ordnung entdeckt, die er zusammen mit seinem Mitentdecker „Chimärenflügler“ getauft hat, was ja in der Biologie ohne Übertreibung eine Sensation ist. (SPIEGEL-Bericht, TV-Bericht). Kriegt man für sowas eigentlich einen Nobelpreis? Wir hoffen.

Nachtrag: Arnold hat mir noch ein paar interessante Links rund um die Ausstellung gesendet.

 

Öde Orte (3)

Erst wohnten wir dem Untergang der Welt bei und dann spülten wir den Schrecken runter beim Italiener am Ende des Universums. Und das alles in Fellbach-Schmiden.

Anscheinend hat Lars von Trier mit seinem Film „Melancholia“ seine schwere Depression verarbeitet. Schön für ihn. Hat er dabei auch an seine Zuschauer gedacht? Kürzlich meinte er, daß er Filme machen wolle, aus denen der Betrachter verwirrt herausgeht, um sich einen Tag später zu fragen: »Was war denn das für ein Mist?« (ZEIT-Artikel)

Nun, vielleicht würden wir (die Landeier ausm Remstal, Monsieur und ich) das heute tatsächlich denken, hätte der Abend nicht sein dialektisches Ende beim ortsansässigen Italiener, der Pizzeria Carretino gefunden. Ich fühlte mich wirklich ein bißchen wie beim „Restaurant am Ende des Univerums“ – nicht zuletzt dank dem Ober – oder war das sogar der Inhaber?! Er schlurfte mit traurigem Blick im Lokal herum wie Marvin, der schwermütige Roboter aus Douglas Adams Geschichte. Optisch allerdings hatte er was von Graf Draculas Diener – mit seinem pechschwarzen, hochtoupierten Haar und der krummen Nase. Eigentlich dachte ich die ganze Zeit, er hasst uns, weil wir ihm noch Arbeit bescheren zu so später Stunde. Aber dann hat er uns ganz zum Schluß auch noch eine Runde Limoncello ausgegeben. Wer weiß, vielleicht wären wir uns zwei Stunden später in den Armen gelegen…

So war dieser Abend einfach höchstvergnüglich!

Das Kino in Fellbach-Schmiden, das ORFEO ist übrigens toll – ein richtiger Geheimtipp!