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Zu Besuch bei Corot

Seit letztem Wochenende gibt es eine neue Ausstellung in der Karlsruhe Kunsthalle: Camille Corot – Natur und Traum. Mich haben diese Bilder sehr berührt – diese romantischen Landschaften in Frankreich und Italien. In dunklen, oft düsteren Farben, doch immer gibt es – ganz minimal –  ein Spiel mit Licht und fröhlichen Farbtupfern. Immer sehr tiefgründig, träumerisch, und etwas traurig. Corot hat – als künstlerischer Autodidakt – entschieden, dass er Landschaftsmaler werden will. Obwohl gerade dies ein Zweig in der Malerei war, der ganz am Ende jeglicher Skala in der Kunst stand. Aber er war beharrlich – und hat vor allem seinen ganz eigenen Weg darin gefunden. Chapeau, Monsieur Corot.

Als sein Augenlicht immer schlechter wurde, musste er die Landschaftsmalerei einschränken und er malte zunehmend Portraits. Wir fanden, dass er oft das eine oder andere Gliedmaß falsch proportioniert hat – und dennoch: seine Portraits üben eine Faszination auf den Betrachter aus. Sie sind alle auf ihre Weise schön.

 

Lecture 4: Waaaahnsinn

Ich ahnte schon nach fünf Minuten, daß Michel diese Illustratorin auf den Keks gehen wird – am Ende mir auch. Aber mit ihrem „Waaaahnsinn“ in fast jedem Satz – oder abgewandelt „waaaahnsinnig …“ (z.B. schön oder toll) brachte Tina Berning irgendwann all Sinne zum Klingeln. Abgesehen davon war sie ununterbrochen am Erzählen und Plaudern und überzog maßlos – und das in einer Bruthitze. Die Frage am Ende, ob jemand eine Frage hätte, wurde nicht mal mehr mit Applaus bedacht, sondern es folgte lautes Stühlerücken und die Flucht nach draußen auf der Suche nach einem kühlen Lüftchen.

Und trotzdem fand ich die Vorlesung interessant und es hat mir einiges an ihren Arbeiten gut gefallen. Tina Berning hat wie die anderen beiden auch viele Jahre in der Werbung „geschrubbt“ und das merkt man. Nicht nur künstlerisch, sondern auch wie sie kommuniziert. Heute lebt sie im Wechsel von künstlerischer Arbeit bzw. Ausstellungen und Aufträgen, die zumeist Editorials sind oder eben aus der Werbung kommen. Sie zeichnet sehr gerne Frauen und ebenso gerne im Modebereich. Da gibt es viele schöne Arbeiten, finde ich.

Am interessantesten finde ich aber ihre Heransgehensweise, sich künstlerisch weiter zu entwickeln und ein Stück weit auch selbst zu disziplinieren. Sie hat nämlich irgendwann angefangen -neben den Aufträgen- jeden Tag etwas zu zeichnen – für sich selbst sozusagen. Und auch wirklich abzuschließen. Dafür definiert sie ein Ziel bzw. Thema. Das erste war „One hundert girls on cheap paper“ mit dem Ergebnis von einhundert Zeichnungen in einhundert Tagen (bzw. am Ende waren es mehr als zweihundert, weil ihr viele weggekauft wurden, als sie diese 100 girls ausstellte) Interessanterweise führen sie diese „Projekte“ zu neuen Ufern – sowohl persönlich als auch beruflich. Spannend.

Hier gehts nochmal zur 4. Lecture in der Merz Akademie. Und nun hoffe ich, dass wir beim nächsten Mal zumindest wieder zu Viert sind!

Lecture 3: Spiritualmente Affine

Etwas spät mein Beitrag, aber ich weiß ja, daß Usch gerne einen kleinen Bericht hätte. Voilà!

Letzten Dienstag also ein smarter und sehr sympathischer Italiener namens Andrea Ventura. Ähnlich wie Niemann lebte und arbeitete er jahrelang in New York, mittlerweile aber in Berlin. Das sind aber schon fast alle Gemeinsamkeiten. Sein Stil ist viel malerischer, vor allem seine Portraits, die auch 80% seiner Arbeit ausmachen. Ich finde sie großartig.

http://www.andreaventuraart.com/portraits3.html

Andrea Ventura macht auch andere Arbeiten, doch bei seinen Auftragsarbeiten liebt er die Portraits, weil er gemerkt hat, dass er mit ihnen die größten Freiheiten hat. Ventura mag es nicht, wenn ein Kunde ihm seine Vorstellungen aufzwingen will und Vorschläge macht. wie er was machen soll. Bei den Portraits kann höchstens jemand sagen: etwas heller, etwas dunkler oder etwas mehr Farbe. (Übrigens kommt es so im Laufe der Jahre dazu, dass Ventura immer häufiger leuchtende Hintergrundfarbe einsetzt: weil die Kunden häufig „mehr Farbe“ wünschen, er aber seinen Portraitstil nicht verändern will/kann. So setzt er die Farbe eben im Hintergrund ein.). Dass er sich das (mittlerweile) erlauben kann, ist natürlich auch ein großes Glück. Wie Ventura seinen Weg gemacht, scheint irgendwie zufällig, „dahin gestolpert“. Ich hatte das Gefühl, dass er es bis heute selber nicht fassen kann, so ein bedeutender Illustrator zu sein, der für Magazine wie die New York Times arbeiten darf. Er macht einen fast schüchternen Eindruck, finde ich.

Abschließend beneidete Andrea Ventura die anwesenden Studenten als “happy people”, weil es als Illustrator inzwischen völlig egal ist, wo auf der Welt man lebt. Ein Freund von ihm, ebenfalls Illustrator, schippert auf einem Boot um die Welt und dies ist zugleich sein Arbeitsplatz. Das wär´s doch, oder? Nur bin ich leider keine Illustratorin….

Beim Googlen habe ich noch diese Website „From your desk“ entdeckt, bei der man unter anderem den Schreibtisch von Andrea Ventura begucken kann. Und wer nicht glaubt, dass wir bei dieser Veranstaltung waren, hier der endgültige Beweis.

PS: Ganz zum Schluß eine „Wandszene“ im Treppenhaus der Akademie, die mir gut gefällt:

Im Anschluss haben wir dann übrigens leider keinen von Sus Tipps mehr ausprobiert. Es regnete, uns war ungemütlich klamm und wir wollten nach Hause. Aber nächste Woche, bestimmt!

Lecture 1: Christoph Niemann

Fast zufällig bin ich über diese Veranstaltungsreihe „5 lectures on illustration“ der Merz-Akademie gestolpert und wir sind auch tatsächlich hin – zu Christoph Niemann, einem sehr renommierten Illustrator, wie wir erfahren haben. Uns hat der Abend sehr gefallen. Niemann erzählte von seiner Arbeit, über seine Zweifel und die unendlichen Mühen. Aber er hat auch sein sehr beeindruckendes Arbeitsspektrum z.B. für „The New Yorker“ gezeigt. Mich haben vor allem seine Ideen beeindruckt, und dann das Wesentliche zu finden und zu zeichnen.

So hatte er z.B. die Idee, einen New York Marathon zu laufen (und dafür auch noch Monate lang trainieren zu müssen) und dabei nebenher zu zeichnen und das Ganze zu twittern. Hört sich schräg an, aber ich finde die Umsetzung klasse.  Er hatte sich vorab keinen Plan gemacht, was er zeichnen wird. Als es dann losging, waren plötzlich nur noch die Batterien seines iPhone im Kopf, weil er Angst hatte dass sie nicht reichen. Deshalb auch zu Beginn des Laufes die gezeichneten Batterien. Später dachte er dann eine Zeitlang nur noch an Bananen, weil er die entscheidende Bananen-Versorgungsstation verpasst und man ihm gesagt hatte, dass ein Hungerast ganz schlimm wäre. Er twitterte dann an seine ihm unbekannte Community, ob jemand Bananen bringen könne und tatsächlich standen dann zwei Leute später da, die ihn versorgten.

Übrigens stammt er aus Waiblingen und ist von dort in die große weite Welt, sprich New York, gezogen. Jetzt lebt er mit seiner Familie in Berlin. Das kann man sich hier anschauen, sehr nette Fotos. (Bei dieser Gelegenheit habe ich ja diese The Selby Seite entdeckt. Gefällt mir, in anderer Leute Wohnung zu „gucken“. Das war ja auch immer das Beste an Wohnungsbesichtungen, gelle?) Christoph Niemann hat natürlich auch eine eigene Website bzw. Blog.

 

Nächste Woche wollen wir zur nächsten lecture, den „2agents“. Wie wärs, jemand mit dabei? Dann sind wir wenigstens nicht alleine, den Altersdurchschnitt der Zuhörerschaft nach oben zu katapultieren 😉 Außerdem kann man dann asnchließend im „da Capo“ nebenan was trinken und schnabulieren gehen.

Arnold und die Frauen

Gestern hatten wir die Ehre, bei Arnolds persönlicher Führung für Familie & Freunde dabei zu sein. Ihr erinnert Euch? Er ist Kurator der SEX-Ausstellung im Naturkundemuseum Stuttgart. Seine Sicht auf die Ausstellung und seine Geschichten zu hören, war toll. Besonders eindrücklich fand ich, dass seine tägliche Spermienproduktion ausreichen würde, um alle Frauen Europas zu beglücken! Wow! Wobei mir gleich danach der Gedanke kam, dass es mal wieder eine sehr männliche Sichtweise ist, hier automatisch von „Beglückung“ zu sprechen 😉

Eine tolle Überraschung zu Beginn war das Buffet, das Valerie und Arnold uns bereitet haben – bestückt mit Leckereien aus aphrodisierenden Lebensmitteln wie Feigen, Vanille, Granatapfel, Piri Piri, Bananen, Ingwer, Melone, Spargel und vielen vielen Austern.

Foddofiern Duduun, foddofiern!!!

Für Theo war der Höhepunkt des Stuttgart-Besuchs das Porschemuseum – übrigens war ich auch zum ersten Mal dort. Und ich war total überrascht wie „sakral“ die Stimmung dort ist: alles sehr leise, sehr clean und weiß, ohne zusätzlichen Sound oder irgendwelche sonstigen Effekte. Die Autos sind im Mittelpunkt, ohne Wenn und Aber.

Und dann kam THEO – von der ersten Minute an hüpfte er von Auto zu Auto immer SCHREIEND: Duduuun, foddofiern! Duduuuun, domm, foddofiern!!! Er hat sich gar nicht mehr eingekriegt vor lauter Freude über sooo viele tolle Rennautos. (Wirklich, sein ständiges ungeduldiges Rufen hat man sicher von einem bis zum anderen Ende des Museums gehört, das ja eh auf nur einer, ca. 140 m langen Ebene angelegt ist)

Und so hetzte ich mit meiner ollen Lumix von Rennwagen zu Rennwagen, während die „Profis“ mit Stativ und Makro und Langzeitbelichtung ehrfurchtsvoll den besten shoot suchten.

Theo wollte eigentlich gar nicht mit aufs Bild. Aber ich habe darauf bestanden (alles andere wäre ja für mich ätzend langweilig gewesen). Die großen „Jungs“ im Museum waren gar nicht „amused“ über so einen lachenden, kreischenden Knirps. Komisch eigentlich. Mir hat das richtig gefallen, dass Theo da mal Leben in die Bude gebracht hat! Autofriedhof hin oder her.

Unterm Strich: Für kleine Jungenherzen sind diese Rennwagen toll – aber mehr hat das Museum für die ganz Kleinen nicht zu bieten. Es gibt einen Audioguide ab 6 Jahre und ich denke, daß es ab diesem Alter nochmal interessanter wird.  Dennoch: für Theo war das großes Kino. Wir waren in einer Stunde durch – mit fünf Dutzend Fotos im Kasten! Ach ja und nicht zu vergessen: der Museumsshop mit vielen vielen Porscheautos. Natürlich durfte auch Theo sich eines aussuchen. Und kaum zuhause,  ist der Flügel kaputt gegangen und die Feder überdrehte. RIESEN-GEPLÄGE am Ende des Tages. Gott sei Dank kam der Auto-Doktor….

Paula trifft Monet & Co.

Ein Kunstwerk für sich: die aufgezeichneten Wege einer 8-Jährigen – Paula – beim Besuch der Turner-Monet-Twombly Ausstellung. So hab ich mich dann anschließend auch gefühlt 😉 Aber die Idee, auf diese Weise eine bleibende Erinnerung zu kreieren, ist witzig. Übrigens gibt es für kids ganz tolle Kinderführungen im Rahmen dieser Ausstellung. Man muß sie allerdings frühzeitig buchen, weil sie eben so erfolgreich sind.

Menage à trois: Twombly Turner Monet

Letzten Donnerstag war ich mit Luisa und Anna in der neuen Ausstellung der Staatsgalerie „Turner Monet Twombly“ (bis 28. Mai 2010). Wahnsinn. Ich denke, daß man selbst in der Staatsgalerie selten solche Meisterwerke zu sehen bekommt. Die Gegenüberstellung dieser drei Maler ist auf den ersten Blick etwas verblüffend, doch das zwingt zum Hinsehen und Hineinspüren. Abgesehen davon hatte ich ja von Twombly noch nie was gehört. Doch es lohnt sich und man muss seine Werke unbedingt im Original sehen, finde ich. Dann berühren sie einen…. Schon wieder eine Entdeckung.

Also: ganz grosses Kino! Unbedingt hingehen, liebe Freunde. Gerne mit uns. (Und am besten nicht an einem Wochenende, wenn es geht, weil der Besucheransturm groß ist).

Bücher-Mekka

Höchste Zeit von unserem Stuttgarter Leuchtturmprojekt, nämlich unserer neuen Bibliothek zu berichten, schließlich war ich schon 2mal drin!! Leuchtturm stimmt ja insofern, als das Gebäude einsam und allein inmitten – tja, was? – einer Mega-Baustelle steht – und leuchtet. Jaja, die Bibliothek: das Wahrzeichen des neuen S21 Stadtviertels. Tatsächlich war geplant, daß das Gebäude in einem Wasserbassin steht, aber das hat dann am Ende das Budget (leider) nicht mehr zugelassen. Dafür leuchtet die Biblitohek jetzt nachts blau – nur für wen?

Das neue Haus wird ja schon seit Monaten verspottet als „Bücherknast“ oder „Stammheim II“. Mir geht es da eher wie Amber Sayar von der Stuttgarter Zeitung: es sieht aus wie die Kaaba in Mekka. Ich stellte mir schon während der Bauzeit vor, daß mit der Eröffnung des Hauses jeden Morgen um fünf (oder früher?) der Muezzin zum Gebet ruft. Hat was, finde ich.

Also waren wir sehr gespannt wie das Haus sich seinen Besuchern innen präsentiert. Wir sind sogar am Eröffnungssonntag hin und haben uns brav in die Schlange gestellt! Anfangs war ich irritiert und enttäuscht: erst diese Kathedrale (oder Mausoleum?), die zwar ein Ohh-Erlebnis beschert, aber im Grunde nur Effekthascherei ist, finde ich. Im Untergeschoß fühlte ich mich wie in einer Klinik für ästhetische Chirurgie. Es ist eh alles in diesem weißen iPod-Design gehalten (Wie das wohl in 5 Jahren aussehen mag!). Toll sind die Aussichten auf Stuttgart in den eigentlichen Büchergalerien, die vielen, auch medialen Angebote und überhaupt: dass es Bücher über Bücher gibt.

Am Ende haben wir uns neue Leseausweise ausstellen lassen. Was will man mehr?! Und die kids haben „ihre“ Etagen sofort angenommen. Die sind auch wirklich etwas kuscheliger und alden zum Lesen und Vorlesen ein.

Ich will meine Eindrücke im Einzelnen hier auch gar nicht runter schreiben.  Joe Bauer hat in den Stuttgarter Nachrichten einen Bericht geschrieben, dem ich in vielen Punkte zustimme. Und ich freue mich auf viele Diskussionen mit Euch darüber!