Archiv für den Monat: Januar 2010

Simmer da, simmer

Jetzt sind wir wieder zuhause oder wie Aiden in seinen Kinderjahren noch gesagt hätte: „Simmer da, simmer“.  Unsere Rückreise war eine lange, 48-stündige Odysee. Sie begann schon mit Verspätung auf dem International Airport Takaka – wir wurden aber dafür mit einem wunderschönen Flug in einer Einpropellermaschine belohnt. Aus der Luft sehen wir nochmal die Golden Bay, Takaka, Pohara Beach, Farewell Spit…. Goodbye!

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Einziger Mitpassagier auf diesem Flug ist übrigens ein Wissenschaftler, der auch in der Golden Bay lebt und nun zu seinem Job fährt: 6 Wochen Antarktis auf einem 70-Meter-Boot, um aus Walen genetisches Material für wissenschaftliche Untersuchungen zu entnehmen. Sachen gibts.

Auf dem Airport Wellington ist der Teufel los – AC/DC-Fans wohin man blickt. Alle in den schwarzen Tour-T-Shirts. Vermutlich reisen die zum nächsten Act nach Auckland, nachdem am Abend zuvor das Konzert in Wellington war. Dann der Flug mit Qantas Wellington – Sydney – Bangkok – London. An sich ereignlos, aber man ist doch immer wieder aufs Neue entsetzt, wenn man sich in so einer 747 in der Holzklasse endlich plaziert hat. Mir tun die Beine schon nach 10 Minuten weh – wie soll das nur die nächsten 27 Stunden werden…. Der zweite Schreck als ich feststelle, dass um uns rum lauter Kleinkinder plaziert wurden, die in den unterschiedlichsten Lauten Jammern, Wehklagen, Schluchzen, Weinen. Die Stimmung rutscht weiter ab, als ich bemerke, daß wir das gleiche Fernsehprogramm wie bei der Anreise vor einem Monat haben!!! Was ist denn das??! Michel schaut noch verzweifelter, also versuche ich Optimismus auszustrahlen und muntere ihn mit Durchhalteparolen auf. Überzeugend scheint das aber auch nicht zu sein….

Als wir in London ankommen, haben wir nur etwa 1 Stunde Verspätung, die aber ausreicht, dass dennoch unsere weiteren Folgeanschlüsse kippen. (Es ist ja eh zum Heulen, wenn man auf dem elektronischen Bordentertainment sieht wie man über Frankfurt hinwegfliegt… Warum fliegen wir nochmal erst nach London???) Schließlich werden wir auf einen Lufthansaflug gesetzt, den wir um ein Haar im Chaos von Heathrow verpassen. Aber in Frankfurt bricht dann – so kurz vor dem Ziel – völlig die Hektik aus. Wir müssen schließlich mit unserem ganzen Gepäck rennen (!), um die S-Bahn (!) zum Hauptbahnhof Frankfurt nicht zu verpassen. Dort landen wir in einem Gewühl aus Fans des 1. FC Köln, Frankfurter FC und der Polizei – und schließlich in einem IC. Man glaubt es ja nicht wie plötzlich alles gaaaanz zäh werden kann. Tuckeltuckel.

Und dann endlich Stuttgart! Bestäubt mit Puderzucker. Thomas winkt am Bahnhof und wir freuen uns sehr. Zuhause empfängt uns dann ein wunderschönes neues Bad, das wir sofort mit einer heißen Dusche einweihen, ein Strauss weisser Rosen von Liselotte steht da, eine Kaffeerunde mit frisch gebackenen Apfelkuchen und den ersten Berichten und jetzt gleich ein schwäbisches Abendessen mit Rinderrouladen und Spätzle. Was für ein Empfang! Da haben unsere Freunde sich wirklich ins Zeug geschmissen, um uns die Rückkehr schön zu machen.

Jetzt seid Ihr schon fast 36h weg!!

Wir (die Ts) sind ganz in Trauer, dass wir die beiden haben ziehen lassen müssen. Die Zeit mit G. & M. war so toll und wir werden Michel morgen (zusammen mit „real“ Aiden) zur Takaka Fishing Competition (mental) mitnehmen. Auf dass wir viele, grosse „Blue Cods“ fangen. Wir bauen auf einen schönen warmen, wolkenlosen Sommertag und hoffen Michel alle Ehre zu machen – natürlich setzen wir Michel’s Squid-Bait ein!!IMG_1866_sm

Wir sind dann mal weg.

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Nein, wir haben unser Handy nicht an diesen Baum im Mussels Inn genagelt – das bedeutet: wir kommen zurück! Für viele Andere war dies jedoch der letzte Akt, um für immer in Neuseeland zu bleiben.

Wir haben diese Zeit hier sehr genosssen – wir haben sicher nicht soviel gesehen wie andere Touristen, dafür aber sehr intensiv. Auf alle Fälle kommen wir wieder. Aiden vermisst uns ja jetzt schon beim Kartenspielen!

Wie es hier mit unserem Blog weitergeht, müssen wir mal sehn. Unsere Zeit hier ist ja um, aber es geht ja alles weiter zwischen Takaka und Stuttgart… Mal sehn. Auf alle Fälle danke an alle, die uns ermuntert und Feedback gegeben haben. Das motiviert natürlich sehr, um weiter zu schreiben.

Aber jetzt heisst es erstmal „Good Bye“! Tschüss friends!

Zauberwald

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An unserem letzten Tag zeigt sich  Neuseeland nochmal von seiner schönsten sommerlichen Seite (um es uns richtig schwer zu machen). Und wir packen nochmal rein in diesen Tag, was geht: Highlight war unser Ausflug zum Cobb Valley – mal wieder mit schwerer dirt road Anfahrt „on your own risk“. Das Cobb Valley führt ins Hinterland von Takaka Richtung Southern Alps. Hier wird es schon sehr alpin. Unsere Wanderung führte durch einen wirklich zauberhaften Wald – ich fühlte mich im Elbenwald, bin mir aber nicht sicher ob das wirklich so ist. Aber dazu gibt es ja Websites, die wir dann zuhause in Ruhe durchsuchen können. Ich weiss im Grunde bis jetzt nicht ob wir an einer Original Location waren, ist ja aber letztlich auch schnurz. Anschließend zurück, erstmal nach Takaka mit den letzten Erledigungen. Nochmal fish and chips einpacken, um sie zuhause zu verschlingen. Michel ging nochmal ne Runde joggen am Strand, dann ab ins Meer und jetzt unter die Dusche. Roland steht schon wieder am Herd. Ich werd mich jetzt hübsch machen für die Rückreise – morgen früh um 5 Uhr wird die Nacht für uns rum sein. Und stellt euch vor, dann werden wir mit so einer Maschine aus Takaka fliegen – direkt nach Wellington! Wahnsinn, oder? Ich freu mich tierisch und hoffe auf gutes, ruhiges Wetter. Ich will nicht nochmal seekrank werden – diesmal in den Lüften 😉 Davon mehr ein ander Mal.

Wild Wild Westen

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Über den gestrigen Tag haben wir noch gar nicht berichtet: wir haben die Luft der Westküste geschnuppert! Genauer gesagt waren wir am Whanganui Inlet, in der Nähe von Anatori. Das bedeutet 1 Stunde dirt road fahren, einmal quer durch den Fluß und viele viele Schafe – und noch weniger Menschen. Eigentlich gar keine. Anatori ist ja auf der Karte als Ort eingezeichnet, besteht aber nur aus einem netten und einem verfallenen Haus. Das ist der Westen Neuseelands, wirklich wild. Aber die Landschaft ist spektakulär, wie Ihr auch am Foto erahnen könnt. Am Strand haben Roland und Ines dann noch Grünlippmuscheln fürs Abendessen gesammelt. Anschließend wollten die Jungs noch Rockfishing gehen, aber wir sind nicht an die Rocks gekommen. Das ist ein bisschen ätzend: es gibt vielle tolle Bays an der Küste an die man alle nicht rankommt weil sie Privatbesitz sind.

Zuhause angekommen wurden die Muscheln als ameuse geule verspeist (super ober lecker) bevor wir dann alle ins „Pinguin“ gefahren sind, um gemeinsam essen zu gehen: Austern, Jakobsmuscheln und Garnelen als Vorspeise. Dann – je nach Gusto – Fleisch und noch mal Fleisch (houw, houw, houw) und zum Abschluss – während uns Federer unterhalten hat mit seinem Matchsieg diverse Varianten des „Orgasm Icecream“ (oh yeah!!!!).

Heute bricht der letzte Tag an. Unfassbar.

fish happens

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Was komisch aussieht muß nicht komisch schmecken. Zu unserer großen Überraschung hat der Käpt’n neulich einen der seltenen Skates nach langem und anstrengendem Gezerre an Bord gezogen. Der Fisch sieht ziemlich häßlich aus, was auch der Grund war weshalb wir ihn gleich wieder zurück ins Meer geschmissen haben.

Ja Pech aber auch, denn heute haben wir in einem Buch gelesen, daß dieser Fisch wohl sehr selten ist und durchaus als Delikatesse gilt. Es wir behauptet, daß die neussländischen Freizeitfischer im Durchschnitt nur ein Exemplar in 12 Monaten fangen. In den Nobelkaschemmen von New York wird das Filet des Skates zu erlesenen Vorspeisen verarbeitet stand da geschrieben. Aus Unwissenheit ist uns jetzt wohl ein Leckerbissen verwehrt geblieben. Wir trösten uns damit, einen so seltenen Fisch dem Meer zurück gegegben zu haben. Die Chance für andere neuseeländischen Freizeitfische ein solches Prachtexemplar zu fangen erhöht sich durch unsere selbstlose Tat erheblich.

Andere mögen behaupten wir sind einfach zu doof zum Angeln – wir nennen es Altruismus!

Katzenwäsche

Peety

Viele Tiere der Neuseeländischen Fauna lassen sich nur von der Ferne aus betrachten. Whalewatching und Pinguine sind nur vom Boot aus zu sehen. Um ein schönes Foto von einem fliegenden Albatross zu bekommen muß man lange ausharren und für eine gute Aufname braucht es viel Glück. Delphine sind auch etwas kamerascheu. Man kann zwar mit Delphinen schwimmen gehen, aber das kostet viel Geld und man wird nass. Einzig die faulen Robben am Strand kann man aus der Nähe betrachten und fotografieren. Es wird aber geraten genügend Abstand zu den meist männlichen Tieren zu halten. Denn wenn sie sich beroht fühlen können sie schnell „unwirsch“ werden und dann sind die auch schneller als man gemeinhin glaubt.

Wie gut also, daß die tierfreundliche Familie Toder hier einen kleinen Waxeye vor dem Zugriff einer Katze gerettet und aufgezogen hat.

Der kleine Kerl war sehr zutraulich und hat sich für alles und jeden interessiert.  Auf das Meiste hat er allerdings im wahrsten Sinnen des Wortes geschissen. Wenn er gefressen hatte , war er einem Bad nicht abgeneigt. Die anschließende Trocknung hat er sichtlich genossen. Jetzt, nachdem er zu Kräften gekommen ist, hat er sich einer Schar Spatzen angeschlossen und treibt sich wohl nach wie vor hier in den Büschen herum.

Von diesem Vogel, der auf den Namen „Peety“ getauft wurde, gibt es natürlich auch unzählige, gestochen scharfe und makrogenaue Fotos in allen Lebenslagen.

im Hafen

Delphin

Nach dem durchaus erfolglosen Versuch genießbaren Fisch aus den Tiefen des Ozeans zu ziehen haben wir bei der Rückkehr in den heimischen Hafen noch zwei Delphine gesehen, die wohl schon den ganzen Tag dort herum geschwommen sind. Ich vermute mal es war ein Muttertier und ein Kalb.

Der Anblick der Meeressäuger hat uns dann ein wenig darüber hinweggetröstet, daß wir im Grunde wieder nichts Vernünftiges gefangen haben.  Beim Herausziehen des Bootes ist mir aufgefallen, daß die ausgefuchsten Einheimischen ihre Boote jetzt erst zu Wasser gelassen haben – voll bestückt mit Angelruten.  Inzwischen war es ja immerhin schon 19:00 Uhr geworden.

Machen wir etwas falsch?

Wenn der König fliegt…

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Also, Leute, ich sags Euch, wenn man den Königsalbatros fliegen oder besser gleiten sieht, das ist der Hammer! Mir fehlen da eigentlich die Worte – und das Foto gibt auch nichts her, unsere doofe Lumix (gell Alex?!) wollte und wollte nicht fokussieren. Egal, das vergisst man nicht! So oder so.

Aber erstmal von vorn: Als wir zum Royal Albatros Center am 6. Tag unserer Rundreise auf Otago Peninsula kamen, war ja das Wetter superätzend. Dennoch haben wir die Königsalbatrosse-Tour gebucht und hatten zumindest die Gelegenheit 3 von den derzeit 18 bebrütenden Albatrosnestern sehen zu können – samt den Müttern drauf sitzend. Übrigens ist dies der einzige Orte auf der Welt, wo diese Vögel so nahe an der Zivilsation brüten! Doch leider, leider wollte keiner der Albatrosse fliegen während wir auf der Beobachtungshütte waren – es war zu wenig Wind. Wir haben dann den Erläuterungen der Mitarbeiter gelauscht und viel gelernt (z.B. daß sie als Baby so schwer werden so daß sie erstmal wieder auf Diät gesetzt werden müssen um auch nur ansatzweise fliegen zu lernen oder daß sie im zarten Kleinkindalter über 5 bis 6 Jahre nur fliegen – immer rund um den Globus – bis sie sich dann entschliessen zu „heiraten“ und Kinder zu bekommen). Und haben uns trösten lassen, dass die wenigsten Zuschauer die Albatrosse fliegen sehen. Leicht frustriert sind wir also irgendwann zurück zum Autoparkplatz. Ein letzter Blick zurück auf den Hügel und dann: da waren sie!! Man erkennt den König sofort, selbst auf 1 km Entfernung. Nun ja, bei 3 m Flügelspannweite auch kein Wunder! Es war wirklich ein unvergessliches Erlebnis, diese Vögel zu beobachten – und ich werde es auch nie vergessen! Das sind ab sofort meine Lieblinge unter den Vögeln!

Orientierungslauf in den Aorere Goldfield Tracks

Also, das Wetter scheint es jetzt wirklich gut mit uns zu meinen in dieser letzten Woche. Sehr schön. Wir haben uns ja schweren Herzens entschlossen, nicht mehr an die Westküste nach Westport zur fahren, weil wir einfach zuviel mit dem Auto unterwegs sein müssten. Wir geniessen diese Tage lieber intensiver hier. Also war heute erstmal wieder Wandern angesagt (das wird jetzt hoffentlich für die Daheimgebleibenen nicht langsam langweilig ;-))

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Wir sind in den Aorere Goldfield Tracks gewandert: Roland, Michel, Amy (!) und ich. Hier in der Gegend gab es diverse Male einen regelrechten Goldrausch und diesen alten Spuren kann man folgen. Witzig war vor allem die „Ballroom“ Höhle, die früher die Goldschürfer wohl tatsächlich auch als Tanz“saal“ genutzt haben. Die Landschaft selbst, hoch über der Küste, erinnert eher an eine Heidelandschaft, nicht so spektakulär, aber ganz nett.

Zuhause angekommen sind die Jungs jezt noch mal mit dem Boot rausgefahren. Ich wache über die Wildschweinkeule, die im Backofen vor sich hinbruzelt. Amy liegt sprungbereit im Vorgarten und wartet sehnsüchtig auf die Rückkehr eines ihrer Familienmitglieder.