Archiv des Autors: Michel

Bücherknast

56 Augen starren traurig aus der Oednis der postindustriellen Wüste und warten auf zahlreiche Besucher aus dem Medienzeitalter. So oder so ähnlich könnte man den Zustand der Bibliothek beschreiben. Die neue Stadtbibliothek oder auch Libary, wie multilingual in Beton gemeißelt an der Fertigteilattika prangt, fristet derzeit ein protziges Dasein im Nirwana der Stadtlandschaft.

Ich frage mich, ob dieser, von den Stuttartern „Bücherknast“, oder auch „Stammheim II “ genannte Bau es jemals schaffen wird die hochgesteckten Erwartungen zu erfüllen.

Man könnte meinen, die Würfel sind gefallen und Stuttgart mischt nun endlich auch mit beim internationalen  Stelldichein der austauschbaren Stadtlandschaften, zusammengeschustert – im wahrsten Sinne des Wortes – aus dem Werkzeugkasten urbaner  Belanglosigkeiten.

Im Museum

heute sind wir mal früher aus dem Büro raus gekommen und haben noch hinter die Kulissen vom Kindermuseum im alten Schloß in Stuttgart blicken dürfen. Der Ausstellungsmacher ist extra aus Holland angereist und hat erklärt, welches Konzept hinter der Ausstellung steckt. Die Stadt Stuttgart hat mit dem Hochbauamt einen schönen Rahmen drum rum gebastelt. Eine Lümmellandschaft, wo sich die Väter gerne mal ein Päuschen genehmigen.

Für Kinder ab 4 bis 10 Jahre und müde Väter. Kindergeburtstag kann man da auch feiern. Mal was anderes als bei Ronald Mc Donalds.

erste Sonnenstrahlen

ja, es hat sich lange nichts getan auf atelierhaase.

Schon fast ein Monat ohne Eintrag. So mancher treue Leser hat sich gefragt, ob wir noch am Leben sind.

Heute zeigt sich mal wieder die Sonne und das ewige grau in grau scheint für ein paar Stunden in Vergessenheit zu geraten.

Wenn die Erkältung, die mich derzeit noch quält abgeklungen ist und das Wetter weiterhin solche Fortschritte macht, gehen wir auch wieder zum Angriff über.

Kette rechts und reingetreten.  Fit werden für das Hohenloher Konkret 2011!

Neuer Mitbewohner!

Was war das für eine schöne Überraschung als wir am Montag Weihnachspost aus Harxheim bekommen haben! Und die Nora hat Michel, dem „besten Erdmännchenzeichner der Welt“ sogar noch ein besonderes Geschenk gemacht: einen neuen Mitbewohner! Das kleine vorwitzige Erdmännchen hat auch gleich die Umgebung erkundet. Weil es aber draußen bitterkalt war, hat es nun lieber ein Plätzchen neben den anderen Tieren gesucht und gefunden. Von da aus hat man einen prima Blick auf den Fernsehturm – und den Fernseher auch. Wir hoffen dass Nora dieses Plätzchen auch cool findet!

das ganze Leben ist ein Quiz

… und wir sind nur die Kandidaten.

Heute: „die Bäckereifachverkäuferin“

Ich also heute zum Bäcker. Leider hatte unser Lieblingsbäcker geschlossen. In alter Bäckertradition wird montags nicht gebacken.

Keine Laugenwecklich zum Frühstück.

Nachdem ich mich also zum Biosupermarkt begeben hatte, stand ich vor der üppigen Auswahl politisch korrekt gebackener Brötchen, bzw. das was Ökoterroristen dafür halten.

Meine Wahl viel wie folgt aus:

1 Mohnbrötchen

1 Pariser Brötchen „armes Frankreich“

1 „weiß ich schon nicht mehr“, nennen wir es „Klumpen“

1 Rosinenbrötchen – anders ausgedrückt,  Versuch über ein Rosinenbrötchen nach Eselsmühlenart.

Der Einkauf endete mit der Frage der Bäckereifachverkäuferin:

„Kann ich alles zusammen einpacken?“

Ich habe mir die junge Frau genau betrachtet. Die motorische Fähigkeiten schienen vorhanden,  also habe ich die Quizfrage mit einer Gegenfrage beantwortet und ihr gesagt, daß ich nicht genau wüßte, ob sie könnte, aber es gerne dürfte, wenn sie nur wolle.

Das war die falsche Antwort, so viel war klar. Ein einfaches „ja gerne“ hätte genügt.

Schon ein..“ich glaube schon, wenn Sie ein große Tüte nehmen“ wäre falsch gewesen.

Nun, der Kommunikationsbereitschaft bei den Eselsmühlenbäckereifachverkäuferinnen ist ja, so weit ich es zu beurteilen vermag,  nicht sehr hoch. Auf dem Rummelplatz der Soziologie sind sie die Spaßbremser. Die Backwaren, die da angeboten werden, sehen ja auch aus wie der Staatsschatz von Albanien und der besteht größtenteils aus Steinen. Die Kuchen, die  feilgeboten werden, verkörpern das gebackene schlechte Gewissen der Wohlstandsgesellschaft. Ein Premiumprodukt geknetet aus dem geistigen Nährboden des württembergischen Pietkong.

Die Backwaren sind so schwer, wie die Last des ständigen Gewissenskonflikts über das tägliche Scheitern den Genuss als etwas Gutes mit reinem Herzen anzunehmen.

Die Stimmung war dann auf dem gefühlten absoluten Nullpunkt und ich habe mich zügig vom Acker gemacht.

Ausflug zur Jagst

Versprochen ist versprochen. Es stand ja noch eine Radtour mit Luisa und ihrem  neuem Rad an.  Am Samstag sind wir zu einer kleinen Ausfahrt in Richtung Kocher Jagst  Radweg aufgebrochen.

Wir sind von Jagstfeld die Jagst rauf bis nach Jagsthausen gefahren. Über den Col de Sindringen sind wir dann in das Kochertal gewechselt und von dort die restlichen Kilometer das Ohrntal hoch bis nach Öhringen, wo es nach 65 km endlich das verdiente  Eis gab.

Landschaftlich war die Tour sehr schön und ich war richtig beeindruckt, wie schön das Jagsttal doch eigentlich ist.

Kein Wunder, daß es auch noch jede Menge anderer Radfahrer gab, die den gleichen Gedanken hatten.

Meiner Stadtschlampe scheint die Landpartie allerdings eher geschadet als gut getan zu haben. Heute hat es mir doch tatsächlich am Hinterrad einen Speichennippel verspreiselt. Jetzt repariere ich schon den ganzen Abend  und bin total sauer.

Gäul und Schnitzelwecklich

Wie jedes Jahr, so wurde auch diesen Sommer zum 47 Mal wohl schon das Cappler Reitturnier ausgetragen.  Spring- und Dressurreiten als auch Kutschenfahren stehen auf dem dreitägigen Programm (falls es unter den Leseren doch interessierte Reitsportfreunde gibt).

Es ist immer wieder efrischend anzusehen, wie dicke Männer auf die armen Pferde eindreschen um von der eigenen reiterischen Unfähigkeit abzulenken. Meistens sieht man schon als gänzlich ungebildeter Laie, wer an den Aufgaben scheitern wird. Oft wäre einfacher, wenn der Reiter das Pferd über so manches Hinderniss und  tragen würde.

Aber es gibt auch durchaus talentierte Sportler die ein schmuckes Bild abgeben, elegant und fehlerfrei über den Parcours galoppieren.

Eigentlich ist an diesem Wochenende Dauerregen fest eingeplant, aber diesmal war es nicht so. Die miesen Tage der voangegangenen Woche haben wohl nur wenige Regentropfen übrig gelassen.

So war es also sehr heiß und hat mich an die Tage meiner Kindheit erinnert.  Zu der Zeit hatte mein Vater gefühlte fünfzehn Kilometer Himbeeren angepflanzt. Wir wußten gar nicht wohin mit dem Zeugs. Ernten mußten natürlich wir Kinder und ich mit meiner Rot-Grün-Sehschwäche war letztlich auf meine taktilen Fähigkeiten angewiesen. Ich mußte geradezu erfühlen, welche Früchte rot und welche noch grün waren. Eine schwere Kindheit war das.

Zum Reiterfest sind Roland und ich auf die Idee gekommen das Obst an die elitäre Gesellschaft auf der Veranstaltung zu verkaufen. Ich meine das hat auch ganz gut geklappt. Reich sind wir allerdings nicht geworden. Wahrscheinlich habe ich die Feinheiten und Raffinessen der Marktwirtschaft damals genauso wenig begriffen wie heute.

Es wäre besser gewesen eine Himbeer Holding zu gründen um sich dann von Langnese oder Dr. Oetker aufkaufen zu lassen.

These Boots Are Made For Walkin

In Buis les Baronnies, der heimlichen Hauptstadt der French Freaks, home of the Hippies,  gibt es doch tatsächlich einen Laden, der noch handgefertigte Stiefel verkauft.

Ich mußte sofort daran denken, wie die Truppe damals nach Aix en Provence gefahren ist um Rolands Bruder einen Besuch abzustatten.

Die Jungs und Mädels kamen alle sämtlich mit Stiefeln an den Füßen zurück. Die waren damals ein absolutes Muß. Ich glaube man hat sie  sogar barfuß angezogen.

Ich bin nicht dabei gewesen – leider, und weiß heute gar nicht mehr warum.

Gerne hätte ich auch solche coolen Treter gehabt, die waren Kult.

Ich habe mir später dann so Gesundheitstreter gekauft. Solche, wo man mit der Ferse tiefer steht als mit den Zehen. Das sei gesund, weil doch der Fuß im Sand hinten tiefer einsinkt als vorne. Man geht da also tendenziell immer etwas bergauf, was irgenwie auch anstrengt. Ein Schuh mit Philosophie also. Irgend so ein Hopi-Indianergesabbel war bei der Marketingstrategie der Schuhverkäufer auch noch mit dabei. Die Schlappen gibt es aber immer noch (roots).

Die hangefertigten Stiefel aus der Provence, die man sicher erst noch 8 Wochen lang einlaufen muß,  sind dagegen einfach nur „arschcool“.

Vielleicht hat ja das Paar von Roland bei seiner guten Pflege die Jahre überlebt.

Wo es rauf geht

… da geht es auch wieder runter.

onda_road_2010

Das ist das Schöne an der Sache.  Es ist schon eine ziemliche Quälerei immer wieder von einem Pass zum nächsten zu kacheln.

Auf der Passhöhe wird man jedoch zumeist für die Anstrenungen entlohnt. Da zeigt sich schon mal der Mont Blanc von seiner schönsten Seite oder die Casse Déserte auf der Südseite des Izoard leuchtet in der Abendsonne.

Das Rendevouz mit der Liebsten in der Provence nach einer Woche schwitzen und radeln war dann aber doch der eigentliche Höhepunkt.